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Trump, Emojis und Feminismus: Unsere Analyse zum YouTube-Interview mit Angela Merkel

Blog-Eintrag   •   Aug 17, 2017 13:55 CEST

YouTube-Stars interviewen die Kanzlerin

Nicht nur die YouTube-Community, sondern auch sämtliche Leitmedien waren gestern in heller Aufregung. Bundeskanzlerin Angela Merkel gab ausgewählten YouTubern ein Interview und zielte damit vor allem auf jene Wählergruppe ab, die von den alteingesessenen Parteien heutzutage kaum noch auf den früher üblichen medialen Wegen erreicht wird. Es sollte ein lockeres Gespräch werden, ohne vorher abgesprochene Fragen und durch die Einbindung der YouTube-Stars nah am Puls der Zeit. Beteiligt waren die YouTuber Ischtar Isik, ItsColeslaw, MrWissen2Go sowie AlexiBexi. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Millennials und Vertretern der Generation Z, die auf ihren Kanälen eine breite Themenpalette (von Erläuterungen zu politischen Themen bis hin zu Berichten über die Absurditäten des Alltags) abdecken.

Kein neues Format, aber diesmal live

Ganz so neu war die Idee, mit populären Stars der YouTube-Szene ein bisschen Schwung in den Wahlkampf zu bringen, nicht. Bereits 2015 durfte der  Vlogger LeFloid die Kanzlerin interviewen. Bis heute haben den entsprechenden Clip über 5 Mio. Nutzer gesehen, Kritik gab es allerdings dafür, dass das Interview nicht live gesendet wurde und der YouTuber verhältnismäßig zahm seine Fragen vortrug. Dieses Jahr war das Interview dagegen nicht zeitverzögert, sondern im Stream abrufbar. Eine gute Entscheidung, konnte man möglichen Zweiflern so schon einmal vorab die Luft aus den Segeln nehmen.

Trump, Bildung, Emojis und Feminismus - das wollten die YouTuber wissen.

Die Internet-Stars beschränkten sich nicht ausschließlich (aber doch vermehrt) auf politische Fragestellungen, sondern lockerten das rund einstündige Interview auch mit eher ungewöhnlichen Fragen auf. So interessierte sich AlexiBexi dafür, welches Emoji Angela Merkel denn am liebsten mag.

Dieser Punkt wurde dann im Anschluss auch zahlreich aufgegriffen. Bei Spiegel Online hieß es dazu z.B. „Merkel muss Farbe bekennen - beim Thema Emoji“. Auch die Berliner Zeitung („Lieblings-Emojis der Kanzlerin So lief das Youtube-Interview mit Angela Merkel“) sowie u.a. RP-Online („Angela Merkel und ihr Lieblings-Emoji“) fanden scheinbar gerade diesen Randaspekt besonders spannend und titelten entsprechend.


Große Resonanz im Social Web: Unsere Analyse zum Interview

Zweifellos ist das Interview schon jetzt ein Erfolg. Auf YouTube wird es als Trending angezeigt und verbucht bereits über 1 Mio. Views. Und das wohlgemerkt nach nur einem Tag.

Hinsichtlich der Beitragsmenge ist zu konstatieren, dass hier ebenfalls recht hohe Werte erreicht wurden.Im Zeitraum 09.-16.08.2017 gab es insgesamt 17 Tsd. deutschsprachige Postings, die sich mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Allein am gestrigen Tag wurden laut der Ergebnisse unseres Tools knapp 5.000 Beiträge im Social Web veröffentlicht. Am meisten Beiträge erzielte dabei die Beauty-Expertin Ischtar Isik. Fast 1.400 Postings enthielten ihren Namen und einen Bezug zum Merkel-Interview.

Ischtar Isik: 1.392 Beiträge
MrWissen2Go: 666 Beiträge
AlexiBexi: 662 Beiträge
ItsColeslaw: 586


Da die YouTuber zum Teil eine eher weibliche Zielgruppe ansprechen, haben wir uns außerdem gefragt, wie die Beitragsverteilung nach Geschlechtern wohl aussieht. Auch hier konnte uns unser Tool Antworten liefern. Das Ergebnis ist dann doch ein wenig überraschend, da hier ein eindeutiger Überhang an männlichen Nutzern vorliegt.

66% Männliche Nutzer | 34% Weibliche Nutzer

In Hinblick auf die Tonalität gab es im Netz positive Resonanz. Etwa 30% aller Beiträge wurden als positiv eingestuft. 18% enthielten eher negative Schlagwörter. Die restlichen 52% wurden als neutral bewertet.


Ein Blick in die Zukunft

Ob das Format zukunftsfähig ist und ggfs. auch vor anderen Wahlen (z.B. im Vorfeld von Landtagswahlen) eingesetzt wird, bleibt natürlich abzuwarten. Aus der Sicht der Medienbeobachtung ist das Format aber auf jeden Fall höchst spannend, zeigt sich hier doch, dass die Politik die digitalen Meinungsführer (wenn auch zögerlich) ernst nimmt und Influencer gezielt einbindet. Interessanterweise scheint das Format zudem recht einmalig zu sein. Auf die Schnelle haben wir zumindest nur eine einzige vergleichbare Aktion in anderen Sprachräumen gefunden.

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